Auch Kinder können Diabetes haben

Diabetes bei Kindern nimmt zu. Betroffene Kinder und Jugendliche erhalten an der Spezialambulanz der Kinder- und Jugendlichenabteilung des Bezirkskrankenhauses (BKH) St. Johann i.T. wohnortnah beste Behandlung und Betreuung.

Weltweit nimmt die Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) zu. Etwa 3.400 Kinder leben österreichweit mit dieser chronischen Stoffwechselerkrankung, 90% davon haben einen Diabetes mellitus Typ I. Jährlich erkranken in Österreich ca. 250 bis 300 Kinder und Jugendliche neu, Tendenz in den letzten Jahrzehnten laufend steigend, wobei das Erkrankungsalter dabei immer jünger wird. Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz Martin Fink, Leiter der Kinderabteilung des BKH St. Johann i.T.: "Gerade deshalb ist Aufklärungsarbeit von immenser Bedeutung."

Symptome früh erkennen
"Wichtig ist die Kenntnis der Symptome und dass man gegebenenfalls auch frühzeitig an Diabetes denkt. So könnte man vermeiden, dass die Erkrankung zu spät – im Zustand einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung – erkannt wird", erklärt Dr. Marta Bognar, leitende Oberärztin der Diabetesambulanz der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am BKH St. Johann in Tirol.
Die Symptome oder Krankheitsanzeichen bestehen meistens schon seit mehreren Wochen bis Monaten: ständiges Durstgefühl, häufiges auf die Toilette Gehen, neu auftretendes Bettnässen, Gewichtsabnahme trotz Heißhunger, Müdigkeit, Leistungsabfall.

Betroffene Mütter berichten:
"Trotz Wachstums kam es bei meinem 13-jährigen Sohn zu einer Gewichtsabnahme, das konnte ich mir nicht erklären."
"Meine 12 Jahre alte Tochter hat plötzlich nachts wieder eingenässt."
"Mein 15 jähriger Sohn konnte auf der Piste überhaupt nicht mehr mithalten, war müde, wollte nur trinken, und hat ständig nach einer Toilette gesucht."

Die Diagnose kann mittels Blut- und Harnuntersuchung schnell gestellt werden. Der Blutzucker ist zu hoch, weil Insulin fehlt und dadurch der Zucker im Körper nicht mehr verarbeitet wird.

Lebenslange Behandlung
Bognar: "Kinder mit Diabetes mellitus vom Typ I müssen ihr Leben lang Insulin spritzen. Dennoch können sie ein fast normales Leben führen. Aber es bedarf des Erlernens und Einhaltens einiger Spielregeln: eine konsequente Insulinersatztherapie, laufendes Messen des Blutzuckerspiegels sowie regelmäßige medizinische Kontrollen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an technischen Geräten, die den Patienten das Einhalten dieser Spielregeln im Alltag erleichtern.“

Ambulanz für kindlichen Diabetes mellitus
Die regionale Anlaufstelle für Kinder- und Jugendliche mit Verdacht eines oder mit einem bereits diagnostizierten Diabetes mellitus ist die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des BKH St. Johann in Tirol. Hier werden schon seit 2004 laufend Kinder aus dem Tiroler Unterland und dem Pinzgau mit Diabetes mellitus Typ I behandelt und bis zum Erreichen des Erwachsenenalters über viele Jahre hin medizinisch begleitet. In Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Kinderklinik wurde ein kompetentes Team etabliert. Seit Jahren fließen die Behandlungsdaten auch der St. Johanner Kinderdiabetesambulanz in das „DPV-Benchmarking“, ein im deutschen Sprachraum führendes Qualitätssicherungsprogramm der Universität Ulm ein. So wird wie in anderen Diabeteszentren eine hohe Qualität der Behandlung überwacht und gesichert.

Intensive und familiäre Betreuung am BKH
Dr. Marta Bognar: „Die Patientenanzahl in einem peripheren Haus ist kleiner als an einer Universitätsklinik. Das sehen wir aber nicht als Nachteil. Vielmehr erlauben weniger Patienten eine intensive und familiäre Betreuung – das zählt eben auch zu den Stärken unseres Teams.“ – „Wir bieten im BKH St. Johann wohnortnah die modernsten Therapieoptionen an – von intensivierter Insulintherapie oder Insulinpumpe bis hin zu diversen sensorengestützten Systemen.“ Darüber hinaus werden die Kinder interdisziplinär diätetisch geschult und psychologisch betreut.

World Diabetes Day – Infoabend am BKH
Anlässlich des „Word Diabetes Day“ am 14. November veranstaltet das Diabetes-Team der Kinder- und Jugendheilkunde des BKH St. Johann einen Informationsabend mit einem „Get together“ für betroffene Familien. Prim. Fink: „Wir wollen Raum und Möglichkeit für den Austausch zwischen den Patienten und dem medizinischen Personal, aber auch zwischen den betroffenen Familien untereinander bieten.“ Der Termin des Infoabends wird erst festgelegt – bei Interesse können sich Interessierte schon jetzt gerne an die Abteilung der Kinder- und Jugendheilkunde St. Johann wenden (bognar@khsj.at).

Hintergrundinfos – Diabetes mellitus
Diabetes mellitus ist charakterisiert durch erhöhten Blutzucker (Glucose). Im Kindes- und Jugendalter ist die Ursache ein absoluter Insulin-Mangel - die Bauchspeicheldrüse hat aufgehört, Insulin zu bilden (Diabetes Mellitus Typ I).
Glucose ist der wichtigste Brennstoff des Körpers. Insulin ermöglicht die Aufnahme der Glucose aus dem Blut bzw. dem Extrazellulärraum in die Körperzellen. Fehlt Glucose in der Zelle, fehlt den Körperzellen, also dem Körper, die Energie. Das erklärt die zunehmende körperliche Schwäche und Leistungsminderung. Die sich im Blut anstauende Glucose führt zum Blutzuckeranstieg. Die “überschüssige“ Glucose wird teilweise über die Nieren ausgeschieden und reißt dabei Wasser mit (Diabetes mellitus, griechisch wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchfluss“). Das erklärt die riesigen Harnmengen, den Durst und den letztlich lebensbedrohlichen Flüssigkeitsverlust. Wird die Diagnose nicht frühzeitig schon bei den Zeichen Durst und Harnflut gestellt, treten körperliche Schwäche und Gewichtsverlust in den Vordergrund.

Unbehandelt mündet der anhaltende Insulinmangel in eine schwere Stoffwechselentgleisung („Diabetische Ketoazidose“), die bis zur Bewusstlosigkeit („Diabetisches Koma“) und zum Tod führen kann. Die Behandlung mit lebenslanger Insulinzufuhr in Form von Injektionen oder Infusionen führt zu einem weitgehend normalen Stoffwechsel. Neben dem Grundbedarf hängt der Insulinbedarf von der Menge und Zusammensetzung der Mahlzeiten ab. Die korrekte Insulintherapie wird vom Kinder-Diabetes-Team intensiv geschult und ermöglicht den Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus ein weitgehend normales Leben.




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