Diskussion über Kinderstation am BKH St. Johann i.T.: Bezirks-Krankenhausverband gegen Schließungspläne

Zu den im Zuge des neuen Regionalen Strukturplans Gesundheit 2025 (RSG 2025) des Landes aufkommenden Diskussionen um die Schließung der Kinderstation am Bezirkskrankenhaus St. Johann i.T. bezieht jetzt Paul Sieberer, der Obmann des Gemeindeverbandes BKH St. Johann, klar Position für die Abteilung: Von einer Schließung könne derzeit keine Rede sein, im Zuge der Ausarbeitung des Strukturplans werden derzeit mit allen Häusern in Tirol Gespräche geführt, um Effizienzpotentiale auszuloten. „Wir werden in den Gesprächen mit dem Land unseren Standpunkt darlegen und sind überzeugt, dass wir gute Argumente haben, um unsere Kinderabteilung in St. Johann auch langfristig absichern können.“

Für Kooperationsmodelle und eine Evaluierung von Potentialen für Effizienzsteigerungen und mögliche Einsparungen sei man natürlich offen, betont Sieberer, „wir arbeiten ja ohnehin mit den benachbarten Krankenhäusern gut zusammen.“

„Es wäre auch nicht zu verstehen, dass ausgerechnet bei einem medizinisch und wirtschaftlich so gut geführten Krankenhaus der Sparstift angesetzt werden soll. In unserer Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde wird hervorragende Arbeit geleistet, Prim. Franz Martin Fink und sein Team haben in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Abteilung aufgebaut, die medizinisch auf dem letzten Stand ist und die im Bezirk unverzichtbar ist.“ Darüberhinaus verweist Sieberer auf die derzeit schwache kinderärztliche Versorgung im Bezirk und die gute Auslastung der Abteilung, die zudem auch als Ausbildungsabteilung für Kinderärzte einen guten Ruf genießt.

Auch Standortargumente aus Sicht der Betroffenen führt Sieberer ins Treffen: Es gehe gerade bei einer Kinderabteilung auch um eine gute und schnelle Erreichbarkeit, etwa bei Notfällen. Zudem bedeute die regionale Nähe der Einrichtung eine große Erleichterung bei Besuchen. Angenehm für die Eltern und Familien – aber vor allem ein wesentlicher Faktor für eine gute Genesung der kleinen Patienten. Das BKH ist direkt am Bahnhof und an den Bushaltestellen gelegen und so auch mit den Öffis problemlos zu erreichen.

Ärztlicher Direktor steht hinter Kinderabteilung

Mit deutlichen Worten bezieht auch der ärztliche Direktor des BKH St. Johann i.T., Prim. Dr. Norbert Kaiser, Stellung für die Kinderabteilung: „Handlungsbedarf ist in keiner Weise gegeben, da die Abteilung sowohl fachlich als auch wirtschaftlich sehr erfolgreich geführt ist und beste Arbeit für die Versorgung der jungen Patienten in der Region leistet. Aber man muss sich schon die Frage stellen, wohin sich eine Gesellschaft entwickelt, die in erster Linie an ihren Kindern sparen möchte.“

Eine Schließung würde das BKH St. Johann an seiner Achillesferse treffen, da es wie jedes periphere Krankenhaus von einer vielfältigen Fächerstruktur lebt – gerade auch in Hinblick auf den Ausbildungsauftrag von jungen Allgemeinmedizinern. Gerade hier habe sich die Kinderabteilung über die letzten Jahre einen hervorragenden Ruf aufgebaut, was insbesondre bei der Beurteilung der Ausbildungsqualität in einer jährlichen Umfrage der Ärztekammer durch die Turnusärzte bestätigt wird: von allen Abteilungen aller Tiroler Krankenhäuser hat gerade die Kinderabteilung in St. Johann mehrfach die beste Bewertung erhalten.

Die Schließung der Abteilung würde dem Haus die Möglichkeit der adäquaten Ausbildung von Allgemeinmedizinern im Turnus nehmen. Kaiser: „Das wäre insbesondere verwunderlich, da es intensive Bestrebungen des Landes Tirol gibt, diese Ausbildung von Allgemeinmedizinern zu fördern. Am Ende würde der Bevölkerung nicht nur keine Versorgung im Krankenhaus zur Verfügung stehen, sondern aufgrund des Fehlens ausgebildeter Allgemeinärzte auch keine ambulante Versorgung – dies wäre ein Rückschritt des ganzen Bezirkes inklusive der großen Tourismusregion.“

Kaiser: „Die Qualität einer Abteilung wie der Kinder- und Jugendlichenabteilung in St. Johann ist das Ergebnis der Arbeit eines engagierten Teams (Ärzte und Pflege) und es wäre mehr als fraglich, ob mit einer Verlegung der Abteilung an einen anderen Ort diese Qualität in der bewährten Struktur einfach übertragen werden könnte. Im Gegenteil – es wäre sogar anzudenken, die Kinderstation in St. Johann aufgrund ihrer erfolgreichen Tätigkeit zu einer Schwerpunktversorgung fürs Unterland auszubauen.“

Nicht zuletzt würde eine Schließung der Abteilung auch die adäquate Versorgung der Geburtenstation mit jährlich rund 700 Geburten treffen – damit würde dem Krankenhaus auf lange Sicht die Existenzgrundlage entzogen.

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