Simulationstraining und LISA retten Kinderleben

Wiederholtes Training und das Erlernen neuer Techniken sind Grundvoraussetzungen für eine zeitgemäße medizinische Versorgung. An der Kinderstation des BKH St. Johann stand diese Woche bei einem Trainingstag des Ärzte- und Pflegeteams die Bewältigung verschiedener Gefahrensituationen des Neugeborenen auf dem Programm. Training, das im Notfall das Leben der kleinen Patienten retten kann.

Die Geburt eines Kindes – ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis.

„Die Anpassung des Neugeborenen an die neue Situation – die Umstellung von der bis zur Geburt vorhandenen Sauerstoffversorgung über die Nabelschnur auf selbständige Lungenatmung – ist ein bei jeder Geburt ablaufendes kleines Wunder.“, weiß Prim. Univ-Doz. Franz-Martin Fink, der mit einem engagierten Team in St. Johann i.T. eine leistungsfähige Kinderabteilung etabliert hat. Bei einzelnen Neugeborenen kommt jedoch die Atmung, eventuell auch der Kreislauf nicht spontan ausreichend in Gang – ein akuter kinderärztlicher Notfall. Rund 2 % der Neugeborenen benötigen sogar eine Reanimation. Dann gilt es, rasch richtig zu handeln. Fink: „Jeder Handgriff muss sitzen, die Teamarbeit von Hebammen, Pflegefachkräften und Ärzten muss wie von selbst funktionieren.“

Gezieltes Training von Risikoszenarien

Gesichert wird dies durch gezieltes Training, wie diese Woche am Bezirkskrankenhaus St. Johann. Ein ganzer Tag wurde unter der Führung des Leiters der Neugeborenen-Abteilung der Uniklinik Salzburg, Prof. Dr. Martin Wald, diesem wichtigen Thema gewidmet. Nach einem ausführlichen theoretischen Teil ging es in die Praxis: in Kleingruppen wurden verschiedene lebensbedrohliche Risikosituationen unmittelbar nach der Geburt durchgespielt. Das Simulationstraining erfolgt an Neugeborenenpuppen, die beatmet werden können und bei denen auch eine Intubation der Luftröhre sowie das Anlegen von sicheren Gefäßzugängen geübt werden kann. Über die Elektronik der Trainingspuppen können Herz-Lungen-Probleme simuliert werden. Zudem wird die Qualität der Behandlungsschritte durch elektronische Sensoren überwacht.

LISA für unreife Neugeborenen-Lungen

Bei den sogenannten späten Frühgeborenen (nach 34 bis 36 Wochen geborene Kinder) kann eine mehr oder weniger ausgeprägte Unreife der Lungen zum Problem werden. Ein Teil dieser sich ansonsten oft unproblematisch entwickelnden Frühgeborenen benötigt zumindest am ersten Lebenstag eine Atemunterstützung, die schonend über die Nase mittels eines entsprechenden Beatmungsgerätes erfolgt. Das Atemnotsyndrom des Frühgeborenen entsteht durch einen Phospholipidmangel (Surfactant) in den Lungenbläschen. Dieser Surfactant kann neuerdings nicht-invasiv, also nur minimal belastend, direkt in die Luftröhre verabreicht werden (LISA – Less Invasive Surfactant Application). Dadurch wird häufig eine schlagartige und meist anhaltende Besserung der Atmung erzielt. Diese moderne Methode, vom St. Johanner Kinderfachärzteteam bereits erfolgreich angewendet, wurde ebenfalls im Team trainiert.

Pro Jahr kommen in St. Johann i.T. ca. 40 späte Frühgeborene zur Welt und werden vom Team der Kinder- und Jugendheilkunde behandelt. Nur einzelne Kinder, bei denen die Behandlungen nicht ausreichend helfen, müssen an eine Neugeborenen-Intensivstation verlegt werden.

Simulationszentrum-Zentrum St. Johann i.T. im Bau

Solche Trainings und viele andere medizinische Szenarien können künftig im neu errichteten Simulationszentrum im neuen „MediCubus“, dem Schul- und Ausbildungsgebäude des BKH, durchgeführt werden. Dies wird am Standort St. Johann i.T. Simulationstrainings für Pflege- und Ärzteteams aller Fachrichtungen auf höchstem Niveau sicherstellen. Auch den Rettungsdiensten im Bezirk Kitzbühel wird die Einrichtung für deren Trainings zur Verfügung stehen. Die Arbeiten am „MediCubus“ sind derzeit in vollem Gange, der Bau wird im Herbst fertiggestellt.

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