Hüfte

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, bestehend aus einer Gelenkspfanne, der angrenzenden Pfannenlippe (Labrum), dem Hüftkopf, dem Gelenksknorpel, der Gelenkskapsel und den Hüftbändern. Es verfügt über eine hohe knöcherne Stabilität und lässt zugleich ein großes Maß an Bewegung zu.
Das präzise Zusammenspiel zwischen den Gelenkspartnern (Pfanne und Kopf) ist essentiell für die ungestörte Funktion der Hüfte.
Anatomische Veränderungen, zum Beispiel durch Entrundung des Hüftkopfes, zu tief oder zu steil ausgebildete Pfannen oder fehlverheilte Verletzungen können zu Fehlbelastung, Anschlagphänomenen (Impingement) und in weiterer Folge zu Knorpelverschleiß, Labrumschäden und Arthrose führen.
Bis um die Jahrtausendwende beschränkte sich die Behandlung von Hüftgelenksbeschwerden meist auf Physiotherapie, die Gabe von Schmerzmitteln und im weiteren Verlauf das Einsetzten eines Kunstgelenkes.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir diesbezüglich deutliche medizinisch Fortschritte erzielt, die es heute ermöglichen, ein schmerzhaftes Hüftgelenk durch präzise dreidimensionale Bildgebung darzustellen und sowohl anatomische Formstörungen als auch Labrum- und Knorpelschäden gezielt zu behandeln. In einer Vielzahl von Fällen kann dies minimalinvasiv durch Hüft-Arthroskopie durchgeführt werden. Sind größere knöcherne Korrekturen notwendig, so muss das Hüftgelenk offen eingesehen und ggf. auch dessen Stellung korrigiert werden.
Die gelenkserhaltende Hüftchirurgie hat im BKH St. Johann seit ihren Anfängen einen hohen Stellenwert und wir haben deren österreichweite Entwicklung mitgeprägt. Bildgebende Verfahren wie z.B. das Traktions-Arthro -MRT, welches heute an namhaften internationalen Zentren angewandt wird, wurde ursprünglich in unserer Abteilung entwickelt.
Somit kann unser Team sowohl im Bereich der Bildgebung als auch der operativen Therapie auf langjährige Erfahrung zurückblicken. Aktuell führen wir jährlich ca. 60 arthroskopische Eingriffe am Hüftgelenk durch.

Hüftarthroskopie

Bei der Hüftarthroskopie kann das Hüftgelenk durch kleinste Schnitte mit einer Kamera eingesehen werden. Durch zusätzliches Einsetzen einer kleinen Fräse werden knöcherne Formstörungen am Hüftkopf-Hals-Übergang (CAM Deformität) oder am Pfannenrand (Pincer Deformität) abgetragen. Risse in der Pfannenlippe (Labrum) lassen sich mit kleinen Knochenankern wieder anatomisch fixieren.

Hüfte1

Über kleinste Schnitte wird das Hüftgelenk eingesehen und die Formstörung beseitigt

Blick in das Hüftgelenk

HSK
Die Bilder zeigen den Blick in ein Hüftgelenk während einer arthroskopischen Operation. Links sieht man den entrundeten Hüftkopf. Mit einer kleinen Fräse kann der überstehende Knochen vorsichtig abgetragen werden (Mitte). Am Ende der OP ist der natürliche Kopf-Hals Übergang wiederhergestellt (rechts).

Chirurgische Hüftluxation

Liegen Deformitäten oder Verletzungen vor, die arthroskopisch nicht adressierbar sind, so muss das Hüftgelenk offen eingesehen werden. Die chirurgische Hüftluxation ist eine sichere, ursprünglich in der Schweiz entwickelte Methode, die es ermöglicht, den Hüftkopf aus der Pfanne herauszunehmen, ohne dabei die Muskulatur oder die Durchblutung zu schädigen. Dazu muss der große Rollhügel des Oberschenkels vorübergehend durchtrennt und gegen Ende der OP wieder fixiert werden.

Hüfte1
Durch chirurgische Luxation kann der Hüftkopf schonend aus der Gelenkspfanne herausgehoben werden. Der Pfeil links zeigt die Endrundung am Übergang zwischen Kopf und Schenkelhals. Mit dem Meisel (rechts) wird diese abgetragen und so die schmerzfreie Beweglichkeit des Hüftkopfes wiederhergestellt.
Hüfte2
Das linke Röntgenbild zeigt die Endrundung beider Hüftköpfe (CAM Deformität). Nach chirurgischer Hüftluxation (rechtes Röntgenbild) und Re-fixierung der großen Rollhügel mit Schrauben wurde die anatomische Rundung der Hüftköpfe wiederhergestellt.

Extraartikuläre Umstellungsosteotomien

Liegt die Ursache für Hüftbeschwerden außerhalb des Gelenkes, zum Beispiel durch zu flache oder zu steile Schenkelhälse oder einen Drehfehler des Oberschenkels, so kann eine Umstellung des Oberschenkelknochens notwendig werden. Dabei wird dieser in der Regel unterhalb des großen Rollhügels durchtrennt und nach Korrektur der Fehlstellung wieder mit einer Platte befestigt. Dieser Eingriff kann auch in Kombination mit anderen Verfahren (Arthroskopie oder offene Hüftluxation) durchgeführt werden.

Hüfte 3
Aufgrund eines zu steilen und nach vorn verdrehten Schenkelhalses (Coxa valga et antetorta) litt diese junge Frau unter belastungsabhängigen Hüftschmerzen (linkes Röntgenbild). Durch eine intertrochantäre Umstellung des Oberschenkels konnte die Fehlstellung korrigiert werden (rechtes Röntgenbild). Die Patientin war danach schmerzfrei.

Unser Hüft Team

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